jura-basic (Lexikon: Werklieferungsvertrag) - Grundwissen
   

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Werklieferungsvertrag

Begriff und Bedeutung

Ein Werklieferungsvertrag ist ein Vertrag, der die Lieferung herzustellender oder zu erzeugender bewegliche Sachen zum Gegenstand hat (vgl. § 651 BGB@). Daher auch der Name des Vertrags, der sich aus Werk (hergestellte Sache) und Lieferung zusammensetzt. Mit Lieferung ist nicht die Versendung der Sache zu verstehen, sondern die Übergabe der Sache an den Besteller.

Der Werklieferungsvertrag ist im BGB nicht ausdrücklich bezeichnet, wie beispielsweise der Kaufvertrag in § 433 BGB@ oder Dienstvertrag in § 611 BGB@.

Auf einen Vertrag, der die Lieferung herzustellender oder zu erzeugender beweglicher Sachen zum Gegenstand hat (sog. Werklieferungsvertrag), finden die Vorschriften über den Kauf Anwendung (§ 651 BGB@).

Hat der Vertrag die Lieferung einer nicht vertretbaren Sache zum Gegenstand, dann treten werkvertragliche Regelungen hinzu (§ 651 BGB@). Die werkvertragsrechtlichen Bestimmungen treten aber nur ergänzend, und nicht verdrängend neben das Kaufrecht (BGH, 09. 02. 2010 – X ZR 82/07; unter II. 1a). Daher sei Kaufrecht auf sämtliche Verträge mit einer Verpflichtung zur Lieferung herzustellender oder zu erzeugender beweglicher Sachen anzuwenden (BGH aaO unter II. 1a).

Beispiel: Die Verpflichtung zur Herstellung und Lieferung eines Tiefladersattelaufliegers zum Transport von Straßenfräsmaschinen ist ein Werklieferungsvertrag (BGH aaO).

Da nach dem BGH beim Werklieferungsvertrag das Kaufrecht auf sämtliche Verträge mit einer Verpflichtung zur Lieferung herzustellender oder zu erzeugender beweglicher Sachen anzuwenden ist, gilt dies auch auf Verträge zwischen Unternehmern (BGH, 23. 07. 2009 – VII ZR 151/08, Leitsatz).

Der Werklieferungsvertrag ist nur bei beweglichen Sachen von Bedeutung (vgl. Wortlaut des § 651 BGB@). Die Herstellung von unbeweglichen Sachen oder von geistigen Werken fällt nicht unter den Werklieferungsvertrag. Solche Herstellungen fallen unter den Werkvertrag nach § 631 BGB@ (siehe Werkvertrag).

Die Ansicht, dass die Lieferung herzustellender beweglicher Sachen nicht nach Kaufrecht, sondern nach Werkvertragsrecht zu beurteilen ist, wenn sie zum Einbau in Bauwerke bestimmt sind, lehnt der BGH ab (BGH, 23. 07. 2009 – VII ZR 151/08).

Werde eine bewegliche Sache erstellt, um später in ein Bauwerk einzubauen, dann bleibe diese Sache zunächst eine herzustellende bewegliche Sache, z.B. Bau- und Anlagenteile bleiben bewegliche Sachen bis zu ihrem Einbau (so BGH). Daher seien Verträge, die allein die Lieferung von herzustellenden beweglichen Bau- oder Anlagenteilen zum Gegenstand haben, als Werklieferungsverträge anzusehen und nach Maßgabe des § 651 BGB@ nach Kaufrecht zu beurteilen. Denn alleine die Zweckbestimmung der Teile, in Bauwerke eingebaut zu werden, rechtfertige keine andere Beurteilung (so BGH aaO; Leitsatz; Urteil betrifft Herstellung und Montage einer Siloanlage zur Einlagerung von Graspellets). Eine andere Beurteilung sei auch dann nicht gerechtfertigt, wenn Gegenstand des Vertrages auch Planungsleistungen seien, die der Herstellung der Bau- und Anlagenteile vorauszugehen haben und nicht den Schwerpunkt des Vertrages bilden (BGH aaO; Leitsatz). Eine Ausnahme könne lediglich dann gelten, wenn eine Planungsleistung den Schwerpunkt des Vertrages bilde und deshalb die Anwendung des Werkvertragsrechts erfordere.

Kurzübersicht über den Vertragsgegenstand ( vgl. § 651 BGB@):

  • Lieferung einer herzustellenden beweglichen Sache

  • Lieferung einer zu erzeugenden beweglichen Sache

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Seite aktualisiert: 15.01.2012, Copyright 2017