jura-basic (Lexikon: Studentenpraktikum Werkstudenten) - Grundwissen
   

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Arbeitsverhältnis (Student, Praktikum, Praktikant, Semesterarbeit)

Werkstudenten

Rz. 10

a) Werkstudenten ist ein Begriff aus dem Versicherungsrecht, denn dort gibt es das Werkstudenten Privileg.

Werkstudenten sind Studenten, die neben dem Studium eine Erwerbsarbeit ausüben, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Beim Werkstudent steht der Lohn für den Lebensunterhalt im Vordergrund, weniger die berufliche Orientierung oder den Erwerb von beruflichen Kenntnissen und Fertigkeiten für die berufliche Zukunft, z.B. Biologiestudent arbeitet am Fließband, wegen des Lebensunterhalts.

b) Arbeitsrechtlich ist ein Werkstudent weisungsabhängig und in die Arbeitsorganisation des Weisungsgebers eingegliedert (siehe Arbeitnehmer). Der Werkstudent wird arbeitsrechtlich wie alle anderen Arbeitnehmer behandelt.

Für einen Werkstudenten kommen als Arbeitsverhältnisse in Betracht:

  • unbefristete Arbeitsverhältnisse (weiter..)

  • befristete Arbeitsverhältnisse (weiter..)

Ein Werkstudent hat Anspruch auf Erholungsurlaub (siehe Urlaub, Rz.11) und Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall (siehe Krankheit, Rz.14). Ein Werkstudent hat auch Anspruch auf Mindestlohn (siehe Mindestlohn).

c) Vom Arbeitsrecht ist das Sozialversicherungsrecht zu trennen.

Das Arbeitsverhältnis ist sozialversicherungsrechtlich ein abhängiges Beschäftigungsverhältnisses nach § 7 Abs. 1 SGB IV@ und somit sozialversicherungspflichtig für den Arbeitnehmer, sofern keine geringfügige Beschäftigung vorliegt (Minijob) oder andere vergünstigte Voraussetzungen vorliegen.

Besteht ein Minijob, muss der Arbeitnehmer keine Sozialversicherungsbeiträge bezahlen. Diese bezahlt der Arbeitgeber pauschal (siehe Minijob).

Besteht kein Minijob, ist ein Arbeitnehmer sozialversicherungspflichtig und muss die Beiträge bezahlen.

Für Werkstudenten gibt es für die Krankenversicherung eine Sonderregelung. Die Beschäftigung des Werkstudenten ist versicherungsfrei, wenn die wöchentliche Arbeitszeit von 20 Stunden („halbtags“) nicht überschritten wird (BSG, 11.11.2003, B 12 K24/03, unter 2a).

Versicherungspflichtig sind Arbeiter, Angestellte und zu ihrer Berufsausbildung Beschäftigte, die gegen Arbeitsentgelt beschäftigt (§ 5 SGB V@). Eine Ausnahme gilt für Personen, die während der Dauer ihres Studiums als ordentliche Studierende einer Hochschule oder einer der fachlichen Ausbildung dienenden Schule gegen Arbeitsentgelt beschäftigt sind, sie sind versicherungsfrei (§ 6 SGB V@). Das BSG hat angenommen, dass das Studium die Haupt- und die Beschäftigung die Nebensache ist, sofern die Beschäftigung wöchentlich 20 Stunden nicht übersteigt (BSG aaO, unter 2a). In diesem Fall spricht man vom Werkstudentenprivileg.

Für Werkstudenten, die krankenversicherungsfrei sind, weil sie wöchentlich nicht mehr als 20 Stunden arbeiten, fallen für den Arbeitgeber keine Beiträge zur Krankenversicherung an. Bei langer Krankheit hat der Student kein Anspruch gegen die Krankenkasse auf Krankengeld.

Wird die 20 Stundenwoche überschritten, ist die 26 Wochen-Regelung zu prüfen.

Der Status eines Werkstudenten bleibt erhalten, wenn die Beschäftigungszeit im voraus feststeht und der Student höchsten an 26 Wochen innerhalb eines Zeitjahres über 20 Stunden pro Woche arbeitet, wobei die 20 StundenGrenze durch Arbeitszeiten am Wochenende, in den Abend- und Nachtstunden oder in der vorlesungsfreien Zeit überschritten werden müssen. Kein Werkstudentenprivileg, wenn die Beschäftigung mehr als 20 Stunden pro Woche beträgt und keine Arbeit an Wochenenden, in den Abend- und Nachtstunden oder in den vorlesungsfreien Zeiten (Semesterferien) geleistet wird.

d) Vom Werkstudent ist der Pflichtpraktikant zu unterscheiden.

Der Pflichtpraktikant wird nicht als Arbeitnehmer, sondern als Student angesehen. Für einen Pflichtpraktikanten ist das Praktikum eine Pflicht auf Grund einer schulrechtlichen Bestimmung, einer Ausbildungsordnung oder einer hochschulrechtlichen Bestimmung. Ein Pflichtpraktikant wird nicht als Arbeitnehmer angesehen. Im Vordergrund seiner Tätigkeit steht nicht der Gelderwerb für den Lebensunterhalt, sondern die Ausbildung und der Praxiserwerb im Rahmen einer theoretische Ausbildung zu einem Beruf (siehe Pflichtpraktikum, Rz.3).

e) Vom Werkstudent ist der Orientierungspraktikant zu unterscheiden.

Beim Orientierungspraktikum steht die berufliche Orientierung im Vordergrund. Das Praktikum ist zeitlich befristet (für die Zeit der Orientierung) und es ist § 26 BBiG@ mit seinen Sonderregelungen zu beachten (siehe Orientierungspraktikum, Rz.4)


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