Illustrationen
Rz. 12
a) Illustrationen sind Bilder oder graphische Darstellungen, die der Ergänzung und Erhellung eines Sachverhaltes oder der besonderen -medialen- Aufmerksamkeit eines Sachverhaltes dienen.
Beispiel: Bild dient dem besseren Verständnis des eigenen Textes oder der Veranschaulichung des Textinhaltes oder weckt Neugier.
Eine Illustration ist kein Zitatzweck. Ein fremdes Werk soll eigene Gedanken nicht lediglich besser verständlich machen oder ergänzen oder nicht nur besondere Aufmerksamkeit (wie Neugier) für eigene Gedanken hervorrufen, sondern ein fremdes Werk soll eine eigene Aussage belegen.
b) Die Verfolgung eines Zitatzwecks erfordert, dass der Zitierende eine innere Verbindung zwischen dem fremden Werk und den eigenen Gedanken herstellt und das Zitat als Belegstelle oder Erörterungsgrundlage für selbständige Ausführungen des Zitierenden erscheint (BGH, 30.04.2020 - I ZR 228/15)
Beispiel: Das fremde Werk macht aus einer Behauptung eine bewiesene Tatsache. Das fremde Werk ist Belegstelle für die Behauptung (siehe Belegfunktion,
Rz.4).
An einer solchen inneren Verbindung (zwischen dem fremden Werk und den eigenen Gedanken) fehlt es regelmäßig (so BGH), wenn der Zitierende sich nicht näher mit dem fremden Werk auseinandersetzt,
- sondern das fremde Werk nur zur Illustration (zum Ausschmücken des eigenen Werkes) verwendet,
- es in einer bloß äußerlichen, zusammenhanglosen Weise in sein eigenes Werk einfügt oder das fremde Werk ausschließlich zu einer informierenden Berichterstattung nutzt (BGH aaO).
Ein innerer Zusammenhang fehlt insbesondere, wenn über eine Kunstausstellung berichtet wird und dabei Bilder der Ausstellung gezeigt werden, ohne sich mit diesen Bildern geistig auseinanderzusetzen. Die Abbildungen (Bilder) werden lediglich zur Illustration der Berichterstattung verwandt (BGH, 05.10. 2010 – I ZR 127/09, Rn. 23; Kunstausstellung im Online-Archiv). Dies gelte selbst dann, wenn die Abbildungen - wie die Revisionserwiderung geltend macht - Beleg für die Bedeutung der Ausstellungen seien, denn es fehle an der inneren Verbindung zwischen den abgebildeten Kunstwerken und den eigenen Gedanken des Zitierenden (die Gedanken waren auf die Kunstausstellung und nicht auf die gezeigten Bilder gerichtet). Auch fremde Werke auf gewerblichen Webseiten und auf Briefbögen sind als Zitate unzulässig, wenn sie lediglich der Illustration (Ausschmücken) der Webseiten oder Briefbögen dienen.
Beispiele: Wenn man nur über eine Kunstausstellung berichtet, dann darf man die ausgestellten Bilder nicht nutzen (Gedanken müssen auch auf die gezeigten Bilder gerichtet sein, nicht nur auf Ausstellung). Wer nur über ein Auto berichtet, darf nicht fremdes Foto mit Auto als bildliche Darstellung nutzen (Gedanken müssen auch auf Autofoto gerichtet sein, nicht nur auf Berichterstattung. )
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